Ein Fachbeitrag von Oliver Walle im Personalmagazin (Ausgabe 11-2021)

Die Erfahrungen mit der Arbeit im Homeoffice sind unterschiedlich. Größere Flexibilität und mehr Eigenverantwortung treffen auf psychische und ergonomische Risiken. Klar ist inzwischen: Produktive Arbeit zuhause erfordert Gesundheitskompetenz. HR muss hierzu Strategien und Maßnahmen liefern.

Die Arbeitswelt ist im Wandel und das schon seit geraumer Zeit: Die aktuelle Arbeitswelt, häufig auch als „Arbeitswelt 4.0“ bezeichnet, wird durch Digitalisierung, Flexibilisierung und Prozessbeschleunigung gekennzeichnet. Dies betrifft unsere tägliche Arbeitsweise, im Fall der Digitalisierung aber darüber hinaus auch den kompletten privaten Bereich. In diesem Zusammenhang taucht immer wieder der Begriff der VUCA-Welt auf. Hierbei handelt es ich um ein Akronym, das für Volatilität (Schwankung), Uncertainty (Ungewissheit), Complexity (Komplexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit) steht.

Das alles dürfte für die meisten nicht neu sein – und doch zeigt sich, dass viele Unternehmen nicht genügend auf die Neuerungen vorbereitet sind (Thode & Wistuba, 2019). Ängste und Stress waren deshalb schon vor der Pandemie sowohl bei Führungskräften als auch bei Beschäftigten steter Begleiter des Wandels. Und dann kam noch die Coronapandemie hinzu, die zu einem tiefgreifenden Einschnitt in das private wie berufliche Leben führte. Von heute auf morgen mussten zahlreiche Beschäftigte im Zuge des ersten Lockdowns ab März 2020 ihren Arbeitsort vom Büro nach Hause verlegen. Anlass war die Reduzierung von Kontakten als Beitrag zum betrieblichen Infektionsschutz. Für viele Mitarbeitende erfüllte sich ein Wunsch, den sie bereits vor Corona gehegt hatten. Nun wurde das Homeoffice endlich in der Breite möglich. Zwar gab es auch schon zuvor für einen kleinen Teil der Beschäftigten (laut DAK-Homeoffice-Studie etwa zehn Prozent) die Möglichkeit, zeitweise oder sogar überwiegend im eigenen Zuhause zu arbeiten, jedoch stieg der Anteil während des ersten Lockdowns April/Mai 2020 auf 40 Prozent und lag auch im Februar 2021 noch bei 38 Prozent (DAK, 2021). Trotz der bedrückenden Infektionslage empfanden viele im Homeoffice Arbeitende die neuen Möglichkeiten der ortsflexiblen Arbeit als sehr positiv. Die Monate April und Mai waren zudem sonnig und warm, was sicherlich zur guten Bewertung dieser neuen Erfahrung beitrug.

Herausforderungen: Ergonomie und Kinderbetreuung im Lockdown

Neben dem Anstieg der Homeoffice-Arbeit verursachte der erste große Lockdown zeitgleich einen umfassenden Shutdown von Prävention und Gesundheitsförderung in den Unternehmen.

Vor-Ort-Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) und der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) wurden umgehend gestoppt. Als Ersatz kamen Trainingsvideos und Kursprogramme über digitale Kanäle zum Einsatz. Die BGM-Branche, Fitnessstudios und Präventionsanbieter mussten quasi über Nacht neue Leistungen entwickeln oder bestehende Programme digitaltauglich machen. Letztlich führte die Coronapandemie damit auch zu einem Digitalisierungsschub im BGM, der Gesundheitsförderung und der Prävention. Zum Einsatz kamen, neben Livestreams zu Fitnessübungen und Yoga, auch innovative Ideen zum digitalen Gesundheitstag, Resilienz-Coaching per Webmeeting oder die Arbeitssituationsanalyse zur gesundheitsförderlichen Gestaltung des Homeoffice.