Thomas Kirchner, Gründer des Münchner Startups Senseble Health (Mitgliedsunternehmen im BBGM e.V.) hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen für einen gesunden Lebensstil zu begeistern. In seinem sehr lesenswerten Artikel „Gesundheit 4.0 – Wettbewerbsvorteil durch smartes BGM“ geht er sowohl auf den Status Quo als auch auf Anforderungen und Chancen eines smarten BGM ein:

Gesundheit 4.0 – Wettbewerbsvorteil durch smartes BGM

Die digitale Transformation wird in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens immer spürbarer. Neue Formen des Arbeitens, neue Technologien und agilere Strukturen in Organisationen sind nicht erst seit der Pandemie allgegenwärtig. Die Anforderungen an Arbeitnehmer steigen weiter. Der klassische 8-Stunden-Job mit festen Arbeitszeiten, eindeutigen Tätigkeiten und klarer Strukturen ist ein Auslaufmodell.

Diese Entwicklungen, die wir unter dem Begriff Arbeit 4.0 zusammenfassen, erfordern auch eine Gesundheit 4.0. Doch was bedeutet das für das betriebliche Gesundheitsmanagement? Wie müssen sich die bisherigen Konzepte in Unternehmen weiterentwickeln, um den Herausforderungen unserer neuen Arbeitswelt gewachsen zu sein?

Gesundheit 4.0 – Der Status Quo

Unter dem Stichwort Gesundheit 4.0 diskutieren bereits seit mehreren Jahren Experten, Krankenkassen und Organisationen, wie unsere Gesundheit von der digitalen Transformation profitieren kann. Dazu gehören Ideen und Konzepte, die mithilfe digitaler Technologien die Prävention, Diagnostik und Behandlung von Krankheiten verbessern.

Denn dass Gesundheit in Zukunft auch vermehrt über digitale Wege gefördert wird, bezweifelt inzwischen kaum jemand mehr. Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland in Sachen Digital Health allerdings immer noch hinter anderen Ländern zurück. Das zeigt eine Studie zur Digitalisierungsstrategie im Gesundheitssektor der Bertelsmann-Stiftung. Im internationalen Vergleich landet Deutschland dabei abgeschlagen auf dem 16. Platz von den 17 untersuchten Ländern.

Diese Situation kritisieren auch die Konsumenten: Rund zwei Drittel der Menschen in Deutschland wünschen sich, dass sich der Ausbau digitaler Gesundheitsangebote beschleunigt.

Das Verständnis von Gesundheit ändert sich also zunehmend. Es beschreibt nicht mehr allein den Zustand der Abwesenheit von Krankheit. Gesundheit ist für jeden von uns eine individuelle Ressource und eben diese wird durch die Komplexität unseres Arbeits- und Privatlebens auf individueller Ebene unterschiedlich stark belastet.

Mit der digitalen Transformation wird nicht einfach alles nur schneller und effizienter. So viele Vorteile uns die neue, digitale und vernetzte Welt auch bietet, so fordert sie uns auch: körperliche Belastungen nehmen ab, kognitive Aufgaben nehmen zu. Aus der Work-Life-Balance wird Work-Life-Blending. Durch Smartphones, Mails und soziale Netzwerke sind wir zwar ständig erreichbar und können uns mit Menschen auf der ganzen Welt vernetzen, doch gleichzeitig schwinden die sozialen Begegnungen im „realen“ Leben.

Das sind neue Herausforderungen für unsere körperliche und mentale Gesundheit, mit denen wir uns neu auseinandersetzen und welchen wir mit neuen Lösungsansätzen begegnen müssen. Für Organisationen bedeutet das, dass sie die klassische betriebliche Gesundheitsförderungen weiterdenken müssen – über die Grenzen der Rückenschule hinaus.

Anforderungen und Chancen eines smarten BGMs

Die räumliche und zeitliche Entgrenzung der Arbeit erfordert ein BGM, das zu jedem beliebigen Zeitpunkt und an jedem beliebigen Ort genutzt werden kann. Das Smartphone entpuppt sich dabei als ein wichtiges Medium. Denn als integraler Bestandteil unseres beruflichen und privaten Handelns ist es für viele von uns mittlerweile ein ständiger Begleiter. Organisationen, die dieses Potential zu nutzen wissen, setzen bei ihrem BGM deshalb auf den Einsatz digitaler Gesundheits-Apps.

So wie wir es gewohnt sind Musik und Nachrichten zu konsumieren, sollten Mitarbeiter auch die Möglichkeit erhalten Gesundheitsinhalte für sich zu nutzen. Die Herausforderung dabei ist mit der hohen Qualität von Apps anderer Bereiche Schritt halten zu können. Doch wenn man diese Herausforderung meistert, ist sie gleichzeitig auch die Grundlage für den Erfolg. Denn digitale Medien kämpfen mit aller Macht um die Aufmerksamkeit ihrer Nutzer und so werden neue Angebote nur erfolgreich sein können, wenn auch sie es verstehen den Mitarbeitern die nötige Nutzerfreundlichkeit und Relevanz zu bieten, die sie gewohnt sind.

Das gelingt vor allem durch eine Personalisierung des Angebots. Eine wichtige Erkenntnis für das BGM der Zukunft ist, dass es keine Standardlösungen gibt, die für alle Unternehmen und alle Mitarbeiter gleichermaßen passt. Unterschiedliche Unternehmensgrößen, Branchen, Kulturen und verschiedene demographische Merkmale fordern ein flexibles Angebot.

Die Personalisierung geschieht dabei auf zwei Ebenen. Im ersten Schritt muss das Unternehmen die individuellen Belastungen und Bedürfnisse ihrer Belegschaft als Ganzes identifizieren. Auf dieser Organisationsebene lässt sich dann das allgemeine Angebot definieren. Doch basierend auf dem Fakt, dass Gesundheit für jeden von uns eine individuelle Bedeutung hat und unsere gesundheitlichen Ziele sehr verschieden sein können, muss sich das Angebot noch einen Schritt weiter zuschneiden lassen – und zwar auf die persönlichen Bedürfnisse jedes einzelnen Mitarbeiters. Nur wenn das gelingt, kann die Gesundheit des Einzelnen und damit die Gesundheit der gesamten Organisation davon profitieren.

Fazit

Neue, digitale BGM Angebote bieten das Potential Unternehmen bei der Transformation hinein in eine digitale Arbeitswelt zu unterstützen. Dabei sind sie nicht mehr länger nur eine Maßnahme, die Fehlzeiten und Fluktuation entgegenwirken. Sie werden zum Instrument einer Unternehmenskultur, die Mitarbeiter durch Gesundheitskompetenzen und Eigenverantwortung dazu befähigen, ihren individuellen, gesundheitlichen Bedürfnissen nachkommen zu können.

Die Herausforderungen eines digitalen BGMs sind, wenn man sie einmal bewältigt hat, Erfolgsgarant zugleich. Eine höhere Erreichbarkeit und die Möglichkeiten einer besseren Personalisierung scheinen die vorherrschenden Schwächen der klassischen, analogen Gesundheitsförderung aus dem Weg zu räumen. So werden Investitionen in die digitale Gesundheitsförderung des Einzelnen zum nachhaltigen Wertbeitrag für die gesamte Organisation.

Autor: Thomas Kirchner

Thomas Kirchner ist Gründer des Münchner Startups Senseble Health. Zuvor war er Mitgründer der digitalen Therapie App Kaia Health. Menschen für einen gesunden Lebensstil zu begeistern, ist nicht nur seine Arbeit, sondern vor allem seine Leidenschaft.

Thomas Kirchner - Autor des Artikels Gesundheit 4.0

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