Zum 11. Mal in Folge verleiht der Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement e.V. den Nachwuchsinnovationspreis „Betriebliches Gesundheitsmanagement“. Die Verleihung des Innovationspreises (IP) erfolgt 2026 zum 5. Mal.
Der NIP soll die besonderen Verdienste junger Menschen um die Entwicklung und Konzipierung von Projekten im Betrieblichen Gesundheitsmanagement sichtbar machen und einen positiven Anreiz schaffen, sich für die Herausforderung in diesem Berufsfeld zu begeistern. Er möchte zukunftsorientierte und innovative Methoden fördern, die vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der steigenden psychischen und physischen Anforderungen an die Arbeitnehmer, überzeugen.
Studierende (Bachelor, Master) und Doktoranden sowie Absolventinnen und Absolventen einer BGM-Ausbildung bzw. eines BGM-Studiums (max. 24 Monate nach Abschluss) können ihre wissenschaftliche Arbeit für den NIP einreichen. Die Bewerbung umfasst die Fragestellung, die gewählte Methodik sowie die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit. Eine anonyme Beurteilung (ohne Nennung des Partnerunternehmens) ist grundsätzlich möglich. Mit dem Preis werden Idee, Ansatz und Engagement einer Einzelperson oder studentischen Projektgruppe gewürdigt.
Mit dem Innovationspreis IP zeichnet der Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement in Unternehmen bereits umgesetzte innovative Konzepte und Projekte im betrieblichen Gesundheitsmanagement aus. Bewerben können sich Unternehmen, die einen innovativen BGM-Ansatz implementieren bzw. implementiert haben. Die Bewerbung von BGM-Dienstleistern in Verbindung mit einem eigenen “Kundenunternehmen” ist ebenfalls möglich. Die Bewerber*innen sollten die konkrete Problemstellung im Unternehmen darstellen sowie Setting Konzept und Akzeptanz (Outcome-Größe) beschreiben.
Es gelten folgende Bewerbungsfristen:
IP: bis einschließlich 15.11.
NIP: bis einschließlich 15.11.
Die Preisträger werden Anfang November 2026 von einer unabhängigen Fachjury ausgewählt, die sich aus Experten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in Deutschland zusammensetzt. Es wird jeweils ein erster, zweiter und dritter Preis vergeben.
Alle Anträge müssen bis zum 15.11.2026 in digitaler Form (DIN A4, ausdruckbar) unter info@bbgm.de eingegangen sein. Die Preisverleihung findet im Rahmen der jährlichen Mitgliederversammlung des BBGM e.V. , Anfang 2027 statt.
Nachwuchsinnovationspreis (NIP) 2026 & Innovationspreis (IP) 2026
Ausschreibungsunterlagen und Bewerbungsformulare
Nachwuchsinnovationspreis (NIP) 2026
( für Studierende und Absolventen)
Innovationspreis (IP) 2026
( für Unternehmen und Dienstleister)
Preisträger:innen – Nachwuchsinnovationspreis & Innovationspreis 2025
Zahlreiche vielversprechende Beiträge sind bei der #AGWissenschaft des BBGM, die für Sichtung und Bewertung der eingereichten Beiträge verantwortlich ist, für den NIP 2025 und den IP 2025 eingegangen. Aus diesen haben die Mitglieder der AG-Wissenschaft diejenigen Beiträge und Konzepte ausgewählt, die sie am meisten überzeugen konnten und daraus eine Shortlist erstellt. Diese Shortlist wiederum war die Basis für die Vergabe der jeweils drei ersten Plätze an die Gewinner von IP und NIP 2025. Die Preisverleihung fand im Vorfeld zur Mitgliederversammlung 2025 als Online-Veranstaltung statt.
Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern und Platzierten.
Nina Wallner gewinnt den Nachwuchsinnovationspreis 2025

Vorhaben:
Die Masterarbeit untersucht, wie der Klimawandel die menschliche Gesundheit und die Arbeitswelt beeinflusst und welche Rolle das Betriebliche Gesundheitsmanagement dabei spielen kann. Grundlage waren zwei Forschungsfragen zu den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels und zur Bedeutung des BGM in diesem Kontext. Auf Basis einer systematischen Literaturrecherche und Expert*inneninterviews zeigen die Ergebnisse deutliche Belastungen durch Hitze, Extremwetter, Infektionskrankheiten und psychische Auswirkungen sowie Risiken für Arbeitsfähigkeit und Sicherheit. Gleichzeitig wird sichtbar, dass Gesundheit und Nachhaltigkeit in Unternehmen meist getrennt gedacht werden und es an Ressourcen und klaren Rahmenbedingungen fehlt. Die Arbeit hebt das Potenzial eines klimasensiblen, an Planetary Health orientierten BGM hervor, das Gesundheitsrisiken mindern, Resilienz stärken und nachhaltige Strukturen fördern kann. Damit liefert sie wichtige Impulse für das Verfolgen einer integrierte Gesundheits- und Nachhaltigkeitsstrategie in Unternehmen.
Wesentliche Erkenntnisse:
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Klimawandel belastet Gesundheit und Arbeitsfähigkeit bereits heute: Hitze, Extremwetter und Infektionsrisiken wirken sich zunehmend auf die physische und psychische Gesundheit aus, besonders bei körperlich belastenden Tätigkeiten und Arbeiten im Freien.
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Spürbare Folgen für die Arbeitswelt: Hitzebedingte Unfälle, Produktivitätsverluste und langfristige Gesundheitsrisiken nehmen zu, insbesondere in Branchen ohne ausreichende Anpassungsmaßnahmen.
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BGM als zentraler Hebel: Ein klimasensibles, an planetarer Gesundheit orientiertes BGM kann Gesundheitsrisiken reduzieren, Ressourcen stärken und Gesundheit sowie Nachhaltigkeit systematisch verbinden.
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Zukunftsthema mit Handlungsbedarf: Klimasensibles BGM ist kein „Nice-to-have“, sondern Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit – erfordert jedoch klare politische Rahmenbedingungen, Qualifizierung und integrierte Strategien in Unternehmen.
Ausblick:
Die Ergebnisse machen deutlich, dass der Klimawandel das Betriebliche Gesundheitsmanagement dauerhaft verändern wird. Künftig wird es entscheidend sein, BGM nicht mehr isoliert als Gesundheitsförderung zu verstehen, sondern als strategisches Instrument, das Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Nachhaltigkeit systematisch miteinander verbindet. Ein klimasensibles BGM bietet Unternehmen die Chance, frühzeitig auf klimabedingte Risiken zu reagieren, Beschäftigte zu schützen und gleichzeitig ökologische Verantwortung zu übernehmen. Voraussetzung dafür sind klare Rahmenbedingungen, praxisnahe Orientierungshilfen und eine stärkere Qualifizierung von Führungskräften und BGM-Verantwortlichen. Gelingt dieser Schritt, kann BGM zu einem zentralen Gestaltungsfeld werden, um Arbeitswelten resilient, gesund und zukunftsfähig auszurichten.
2. Preis – Maria Barthel
Vorhaben:
Ziel der Promotion ist es, zu verstehen, wie pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen mit Kindern unter drei Jahren ihre Gesundheit biografisch, lebensweltlich und arbeitsbezogen erhalten. Auf Basis eines qualitativen, prozessorientierten Forschungsdesigns wird eine gegenstandsbezogene Theorie entwickelt, die das subjektive Gesundheitshandeln und -verständnis dieser Berufsgruppe aus salutogenetischer Perspektive beschreibt. Damit ergänzt die Arbeit bestehende Befunde zu Arbeitsbedingungen und Belastungen um eine ressourcen- und gesundheitsorientierte Sichtweise.

Wesentliche Erkenntnisse:
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Gesundheit als Balance von Selbst- und Fürsorge: Zentrales Ergebnis ist ein biografisch geprägtes Verhältnis von Selbstsorge und Fürsorge, das wesentlich zur physischen, psychischen und sozialen Gesundheit pädagogischer Kräfte beiträgt.
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Biografische Prägung des Gesundheitshandelns: Erfahrungen von sozialer Zugehörigkeit, Unterstützung und Zuverlässigkeit prägen das subjektive Gesundheitsverständnis und die Entwicklung gesundheitsbezogener Handlungsstrategien.
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Gesundheitsbezogene Strategien im Arbeitsalltag: Pädagogische Kräfte nutzen Kommunikations-, Unterstützungs- und Ausgleichsstrategien, um Belastungen zu bewältigen, arbeitsfähig zu bleiben und Selbstwirksamkeit sowie Arbeitszufriedenheit zu stärken.
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Nachrangigkeit der Selbstsorge: Im beruflichen Alltag tritt gesundheitsbezogene Selbstsorge häufig hinter den Fürsorgeauftrag zurück; Gesundheit wird dabei nicht durchgängig als Voraussetzung professioneller Arbeitsfähigkeit verstanden.
Ausblick:
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Gesundheit im pädagogischen Arbeitsfeld als biografisch geprägte und relationale Praxis zu verstehen ist. Künftige Forschung sollte das Verhältnis von Selbstsorge und Fürsorge weiter ausdifferenzieren und auch Perspektiven pädagogischer Kräfte mit geringerer Gesundheit, niedrigerem Kohärenzgefühl oder abweichenden Gesundheitsverständnissen einbeziehen. Für die Praxis ergibt sich daraus die Notwendigkeit, biografische Gesundheitsreflexion und gesundheitsbezogene Handlungskompetenzen systematisch in Ausbildung, Studium sowie Fort- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte zu verankern, um langfristig Arbeitsfähigkeit und professionelles Handeln zu sichern.

3. Preis – Julia Korn
Vorhaben:
Ziel dieser Arbeit ist es, eine erste wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlung für Arbeitgeber in Deutschland zum Einsatz finanzieller Anreize zur Raucherentwöhnung am Arbeitsplatz zu entwickeln. Auf Grundlage der aktuellen Studienlage soll aufgezeigt werden, inwiefern finanzielle Anreize dazu beitragen können, die Raucherquote in Unternehmen zu senken und die Gesundheit der Beschäftigten zu fördern. Darüber hinaus verfolgt die Arbeit das Vorhaben, die Möglichkeiten und Grenzen dieses Ansatzes zu reflektieren und Orientierung für die praxisnahe Ausgestaltung entsprechender Maßnahmen zu geben.
Wesentliche Erkenntnisse:
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Wirksamkeit finanzieller Anreize: Finanzielle Anreize können – eingebettet in strukturierte Raucherentwöhnungsprogramme am Arbeitsplatz – höhere Abstinenzraten erzielen als Maßnahmen ohne Anreize.
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Dauer und Stabilität der Effekte: Hinweise sprechen dafür, dass die Wirkung finanzieller Anreize bis zu zwölf Monate nach Beginn der Raucherentwöhnung anhält, sofern die Anreize über diesen Zeitraum in Aussicht gestellt werden.
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Akzeptanz der Maßnahmen: Belohnungsbasierte Anreizmodelle werden von Mitarbeitenden besser akzeptiert als kautionsbasierte Programme und erreichen dadurch potenziell mehr Raucher.
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Höhe der Anreize: Es sind nicht zwingend hohe finanzielle Beträge erforderlich; bereits niedrige Anreizsummen können mit erhöhten Abstinenzraten einhergehen.
Ausblick:
Die Ergebnisse der Arbeit verdeutlichen, dass finanzielle Anreize ein vielversprechender Ansatz zur Unterstützung der Raucherentwöhnung im betrieblichen Setting sein können. Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Forschungslücke für Deutschland, da bislang keine Studien vorliegen, die die Wirkung finanzieller Anreize zur Raucherentwöhnung am Arbeitsplatz systematisch untersuchen. Zukünftige Forschung sollte daher insbesondere die langfristige Stabilität der Rauchabstinenz nach Wegfall finanzieller Anreize sowie die optimale Ausgestaltung entsprechender Programme analysieren. Insgesamt legen die Ergebnisse nahe, dass finanzielle Anreize – eingebettet in strukturierte Raucherentwöhnungsprogramme – einen Beitrag zur Förderung der Mitarbeitergesundheit und zu einer positiven Entwicklung des Unternehmensklimas leisten können.
Mit dem neuen Innovationspreis (IP) zeichnet der BBGM in Unternehmen bereits umgesetzte innovative Konzepte und Projekte im betrieblichen Gesundheitsmanagement aus. Der Innovationspreis möchte zukunftsorientierte und innovative Konzepte fördern, die vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der steigenden psychischen und physischen Anforderungen an die Arbeitnehmer, überzeugen.
Es freut uns sehr, dass diese Idee so gut angenommen worden ist und zahlreiche Bewerbungen für den 7. Innovationspreis beim Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement e. V. eingegangen sind, aus denen die Fachjury dieses Jahr einen Preisträger ermittelt hat.
Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern und Platzierten.
Die Hochschule Burgenland gewinnt den Innovationspreis 2025
Vorhaben:
Das Projekt „Fit in die Zukunft – Betriebliche Übergänge gesund gestalten“ der Hochschule Burgenland, gefördert durch den Fonds Gesundes Österreich, setzt sich mit den Herausforderungen alternder Belegschaften und verlängerter Erwerbsverläufe auseinander und fokussiert auf die späte Erwerbsphase sowie den Übergang von der Erwerbs- in die nachberufliche Lebensphase, der mit veränderten gesundheitlichen, sozialen und organisationalen Anforderungen verbunden ist.
Ziel des Projekts ist es, diesen Übergang bewusst, gesundheitsförderlich und ressourcenorientiert zu gestalten und Übergänge partizipativ und strukturell im Betrieblichen Gesundheitsmanagement sowie im Personalmanagement zu verankern. Damit wird ein bislang häufig administrativ begleiteter Prozess systematisch um gesundheitsförderliche und organisationale Aspekte erweitert.

Wesentliche Erkenntnisse:
- Das Projekt wurde im bestehenden Betrieblichen Gesundheitsmanagement der Hochschule Burgenland umgesetzt und orientierte sich am Public Health Action Cycle. Eine Mitarbeiterbefragung unter Einbeziehung der ALFA-Skala bildete die Grundlage für die Bedarfserhebung.
- Aufbauend darauf wurden Fokusgruppen mit Mitarbeitenden der Zielgruppe 55+ sowie mit Führungskräften durchgeführt. Die Maßnahmenplanung erfolgte partizipativ in Workshops und umfasste Interventionen auf individueller, sozialer und organisationaler Ebene.
- Ein zentrales Ergebnis ist die strukturelle Weiterentwicklung des Personal- und Gesundheitsmanagements, indem das Thema „gesunde Übergänge“ dauerhaft und organisationsweit verankert wurde. Übergänge werden dadurch erstmals nicht nur administrativ, sondern systematisch und gesundheitsförderlich begleitet.
- Als konkreter Output wurde ein standardisierter Offboarding-Prozess erarbeitet, der den Übergang in die nachberufliche Lebensphase klar strukturiert, wertschätzend und gesundheitsförderlich begleitet und zugleich Wissenstransfer sowie Sicherung von Erfahrungswissen unterstützt.
- Darüber hinaus zeigte sich ein gestärktes Gesundheitsbewusstsein der Mitarbeitenden, insbesondere im Hinblick auf altersbezogene Gesundheitsaspekte und individuelle Ressourcen. Übergänge werden zunehmend als aktiv gestaltbare Lebensphase wahrgenommen.
Ausblick:
„Fit in die Zukunft“ zeigt, dass Betriebliches Übergangsmanagement als integrativer Bestandteil von BGM und Personalmanagement wirksam zur Förderung gesunder Arbeit in alternden Belegschaften beitragen kann. Die entwickelten Strukturen und Formate sind nachhaltig angelegt und ermöglichen eine flexible Weiterentwicklung im organisationalen Kontext.
So wird aufgezeigt, wie Übergänge im Erwerbsleben gesundheitsförderlich, partizipativ und strukturell gestaltet werden können und das Projekt eignet sich als praxisnahes Good-Practice-Beispiel für andere Organisationen.